Pflege eines Hohlwegs in Stuttgart-Mühlhausen

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Auf der Gemarkung Stuttgart-Mühlhausen, am nordexponierten Talhang des Mussenbachs, befindet sich der letzte noch intakte Hohlweg von Stuttgart. (Oft wird angenommen, dass es auch in Untertürkheim Hohlwege gebe. Das sind aber keine Hohlwege, sondern Klingen.) Der Hohlweg bei Mühlhausen hat sich im Laufe vieler Jahrhunderte gebildet. Die eisenbeschlagenen Holzräder der Fuhrwerke haben sich in den weichen Lößboden eingegraben, und das bei Regengüssen in diesen Spurrillen fließende Wasser hat dann den erosionsanfälligen Boden weggeschwemmt. So hat sich der Weg im Laufe der Zeit immer weiter eingegraben, es entstand ein tiefer, enger Hohlweg.

Die Enge wurde dem Hohlweg dann zum Verhängnis. Mit zunehmender Motorisierung wurden die landwirtschaftlichen Fahrzeuge und Maschinen immer breiter und konnten den Hohlweg nicht mehr benutzen. Sie fuhren also daran vorbei, und der eigentliche Hohlweg wurde nicht mehr gebraucht. Das hat dann die Menschen auf die Idee gebracht, dass man in den Hohlweg, wenn man ihn schon nicht mehr zum Fahren braucht, ja dann wenigstens seinen Müll hineinschmeissen könnte. Gedacht - getan, und bald gab es diesen Hohlweg nicht mehr.

Nun ist ein Hohlweg aber nicht nur eine Wegebeziehung zwischen zwei Orten, sondern auch ein wertvoller Biotop, der wesentlich zum Artenreichtum einer Landschaft beiträgt. Ein Hohlweg unterbricht die Monotonie der Felder durch zwei gegenüberliegende Böschungen, die meistens von Feldgehölzstreifen begleitet werden. Ein Hohlweg bietet damit vielen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum in unserer Heimat, die diese ansonsten in der intensiv genutzten Feldflur nicht finden würden. Aus diesem Grund hat die Stadt Stuttgart beschlossen, den Biotop Hohlweg wieder ausbaggern zu lassen und dauerhaft zu erhalten.

Um diese Erhaltung sicherzustellen, pflegt die ARGE den Hohlweg nun schon einige Jahre. Am Anfang stand hauptsächlich das Zurückdrängen der Brombeere im Vordergrund, die alles urwaldartig überwucherte. Im Laufe der Jahre bekommen wir diese aber immer besser in den Griff, so dass die Brombeere heute kein großes Problem mehr darstellt.

Mitlerweile können wir uns schwerpunktmäßig auf das Mähen der Hohlweg-Böschungen konzentrieren. Dieses geschieht, wo es möglich ist, mit einem Balkenmäher. Balkenmäher haben den Vorteil, Gras in beliebiger Höhe schneiden zu können und dabei durch "Dick und Dünn" zu gehen, ohne sich dafür sonderlich anstrengen zu müssen. Man hört das auch: Während die meisten Rasenmäher kreischen, als wenn ihnen einer an die Gurgel möchte, tuckert der Balkenmäher ruhig vor sich hin und arbeitet sich mit der Stetigkeit einer Nähmaschine durch den höchsten Aufwuchs. Wir meinen daher: Wer einmal mit einem guten Balkenmäher gemäht hat, fasst ungern wieder einen normalen Rasenmäher an.

Ein weiterer Vorteil des Balkenmähers ist, dass er die Amphibien und andere Lebewesen bestmöglich schont. In Versuchen wurde festgestellt, dass durch den Kreiselmäher (hierzu gehört auch der Rasenmäher) 27% der Amphibien umkommen oder verletzt werden, bei der Sense 15% und beim Balkenmäher 10%. Schon alleine aus diesem Grund - wir wollen keine roten Wiesen - verwenden wir wo es geht den Balkenmäher. Zweite Präferenz hat die Sense. Selbstverständlich werden durch diese beiden Werkzeuge nicht nur Amphibien, sondern auch Insekten, Spinnen und Gelege von Bodenbrütern geschont.

Ein weiterer wesentlicher Vorteil des Balkenmähers und auch der Sense ist, dass man mit ihnen Grünfutter gewinnen kann, das vom Vieh gerne gefressen wird. (Das ist mit Rasenmäher oder Schlegelmäher nicht möglich. Das mit diesen Gerätschaften gewonnene Grüngut ist Abfall und eignet sich nur zum Kompostieren. Hierzu muss das Schnittgut energieaufwendig zerhäckselt werden. Deshalb pfeifen viele Rasenmäher schon bei etwas höherem Gras aus dem letzten Loch ...)

Wir gewinnen aber wertvolles Grünfutter, wenn wir das Gras mähen. Und wir haben das Glück, dass wir dieses gleich an Rinder verfüttern können, die in unmittelbarer Nähe an den Hängen des Mussenbachs weiden. Somit wird die wertvolle Biomasse gleich sinnvoll zur Erzeugung hochwertiger Nahrungsmittel (Fleisch) genutzt.

Stand August 2010



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