Rückbau und Renaturierung eines alten Fahrsilos in Stuttgart-Mühlhausen
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Mittlerweile ist die Renaturierung weitgehend durchgeführt. Sie können sich hier den Abschlussbericht herunterladen (Größe ca. 1 MByte).
Geld ist nicht alles, aber oft geht ohne Geld nichts. Deshalb seien an dieser Stelle auch gleich unsere Sponsoren erwähnt, ohne deren freundlicher Unterstützung wir dieses Projekt nicht hätten durchführen können. Einen größeren Barbetrag spendeten uns dafür die
Ende April rückte dann endlich der Abbruchbagger des von uns mit dem Abriss beauftragten Unternehmers (selbstverständlich aus der Region!) an. Dank des richtigen Werkzeugs war der Stahlbeton des Fahrsilos (ca. 150 m³) bald abgebrochen und ordnungsgemäß entsorgt. Zurück blieb die leere Grube.
Mit der Herausnahme des Betons alleine war es noch nicht getan. Die Grube musste wieder mit geeignetem Boden aufgefüllt werden.
Für den Oberboden haben wir Erde aus der direkten Umgebung genommen. Diese war bei der Erweiterung des Umspannwerks Weidenbrunnen angefallen und musste mit dem Lkw nur eine kurze Strecke transportiert werden.
Am Hofsträßle in Stuttgart-Mühlhausen gab es bis vor kurzem ein altes landwirtschaftliches Fahrsilo aus Stahlbeton. Dieses war ursprünglich für die Lagerung pflanzlicher Produkte (Silomais) vorgesehen.
Es wurde von der Landwirtschaft aber schon seit vielen Jahren nicht mehr in diesem Sinne genutzt, sondern stand größtenteils leer. Dies führte u.a. dazu, dass es von rücksichtslosen Zeitgenossen gerne als wilde Müllkippe missbraucht wurde. Zusätzlich war die 2 Meter hohe Böschung des Hofsträßle, das an dieser Stelle einmal ein Hohlweg war, über eine Breite von mehr als 10 Meter unterbrochen. Kurzum: Das alte Fahrsilo war zu jeder Jahreszeit meist unschön anzuschauen.
Anfang 2010 hat die ARGE Nord-Ost e.V. das ehemalige Fahrsilo erworben. Wir hatten uns das Ziel gesetzt, das Fahrsilo abzureißen und die ursprüngliche Böschung des Hofsträßle wieder herzustellen. Daneben sollte auch gleich die gesamte landschaftliche und ökologische Situation an dieser sensiblen Stelle großflächig verbessert werden. Wir haben zu diesem Zweck aus drei Grundstücken einen etwa 60 Meter langen und 25 Meter breiten Streifen entlang des Hofsträßle herausmessen lassen und diesen gekauft.
Der BUND Kreisverband Stuttgart hat uns darüberhinaus über ein zinsloses Darlehen den Erwerb der notwendigen Grundstücke ermöglicht.
Wir bedanken uns bei den vorgenannten und vielen weiteren Einzelpersonen ganz herzlich, dass sie uns bei der Verwirklichung dieses Projektes so großzügig unterstützt haben!


Nachdem das Gelände modelliert und der usprüngliche Böschungsverlauf wieder hergestellt war, haben wir einen 6 Meter breiten Ackerstreifen entlang des Hofsträßle mit Grasschnitt von einer nahen Trockenwiese (Kreuzrain) bedeckt. Mit Hilfe dieser "Heudruschsaat" sollen die Samen heimischer Gräser und Kräuter ausgesät werden. Den Rest des Ackers haben wir mit Gelbsenf eingesät, um den Aufwuchs Stickstoff liebender Ackerunkräuter (z.B. Melde) zu unterdrücken. Am 18. September wird der Kreuzrain vollständig gemäht. Mit dem so gewonnenen Mähgut werden wir dann die gesamte Fläche des ehemaligen Fahrsilos bedecken, um auf dieser einen Wiesenbiotop herzustellen.
Oben auf der Böschung pflanzen wir im Herbst eine Reihe feuerbrandtolerante Hochstamm-Obstbäume. Zwischen diesem Baumstreifen und dem Acker wird dann ein 6 Meter breiter Streifen dem Rebhuhn und anderen Offenlandbewohnern Lebensraum und Nahrung anbieten. Auch werden die Bäume dadurch vor Beschädigungen durch landwirtschaftliche Maschinen geschützt.
Den ursprünglich vorhandenen Wassergraben entlang des Hofsträßle werden wir zusammen mit der Stadt Stuttgart im Bereich unseres Grundstücks ebenfalls wieder durchgängig herstellen.
Nach wie vor werden in Baden-Württemberg Flächen in erheblichem Umfang versiegelt. Damit gehen der Landwirtschaft, der Natur und der freien Landschaft kontinuierlich Flächen verloren. Die ARGE Nord-Ost e.V. freut sich, mit dem Projekt "Rückbau und Renaturierung eines ehemaligen Fahrsilos" genau das Gegenteil bewirkt zu haben, nämlich durch Entsiegelung des Beton-Fahrsilos der Natur wieder Fläche zurückzugeben. Eine schmerzliche Wunde in der Landschaft ist so verschwunden. Nicht nur der Natur ist damit geholfen. Die sichtbare Aufwertung der Landschaft auf dem Langen Feld mit Bäumen und einem artenreichen Feldrandstreifen wird sicher auch die Erholung suchenden Menschen erfreuen.
Das gesamte Projekt haben wir in enger naturschutzfachlicher Abstimmung mit dem Amt für Umweltschutz durchgeführt. Für die stets ebenso freundliche wie kompetente Beratung durch dessen Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und beauftragte Fachleute sind wir sehr dankbar. Am 9.2.2010 hat der Umwelt- und Technikausschuss des Stuttgarter Gemeinderates beschlossen, dass das Lange Feld, das zu einem großen Teil auf Stuttgarter Gemarkung liegt, landschaftlich und naturschutzfachlich aufgewertet werden soll. Die ARGE Nord-Ost e.V. hat hierzu mit dem Rückbau des Fahrsilos einen bescheidenen Beitrag geleistet. Wir würden uns sehr freuen, wenn unserem Beispiel weitere folgen würden.
Stand August 2010